Rutschhemmungsklassen einfach erklärt – R9 bis R13 im Vergleich

Ob im Alltag oder bei der Arbeit: Eine gute Rutschhemmung sorgt dafür, dass wir uns überall sicher bewegen können. Dahinter stehen natürlich spezielle Normen und Vorschriften. Beschäftigen Sie sich zum ersten Mal mit dem Thema Rutschfestigkeit, haben Sie sicherlich noch die ein oder andere Frage dazu.

Wir haben Ihnen hier einen umfangreichen Ratgeber erstellt. Als Anbieter von Alu Riffelblech nach Maß sowie Riffelblech aus Edelstahl, das seinerseits je nach Produkt der höchsten Rutschhemmungsklasse (R13) entspricht, beschäftigen wir uns auch mit den Anforderungen an rutschhemmende Oberflächen. Hier gehen wir auf die einzelnen Klassen, die Prüfung sowie die richtige Auswahl ein.

Das versteht man unter Rutschhemmung

Rutschhemmungsklassen: Rampe mit RutschhemmungPer Definition beschreibt Rutschhemmung die Eigenschaft einer Oberfläche, das Ausrutschen von Personen zu erschweren. Dabei spielen zum Beispiel das Material eine Rolle, aber auch die Oberflächenstruktur, die Profilierung und natürlich Einflussfaktoren wie Feuchtigkeit, Verschmutzungen und Abnutzung.

Eingeteilt wird bei der Bestimmung der Rutschfestigkeit in sogenannte R-Gruppen. Diese Abstufungen reichen dabei von R9 bis R13. Je höher die Gruppe, desto höher ist die nachgewiesene Rutschhemmung.

Vor allem die DIN EN 16165:2023-02 ist heutzutage maßgeblich und löste die DIN51130 ab. Sie bezieht sich auf die Ermittlungsverfahren für die Bestimmung der Rutschhemmung von Fußböden. Ältere Prüfzeugnisse zur Rutschhemmung wurden noch nach früheren Ausgaben der DIN 51130 erstellt, weshalb Ihnen diese Norm heute immer noch begegnet – zum Beispiel auch in unserem Sortiment.

Tabelle: Die Rutschhemmungsklassen R9 bis R13 im Überblick

Jeder R-Klasse werden Winkel zugeordnet – die sogenannten Prüfwinkel:

R-Klassen

Prüfwinkel in Grad

Rutschhemmung R9

6 bis 10

Rutschhemmung R10

über 10 bis 19

Rutschhemmung R11

über 19 bis 27

Rutschhemmung R12

über 27 bis 35

Rutschhemmung R13

über 35

Wichtig ist: Ein bestimmter Prüfwinkel sagt nichts darüber aus, welcher Neigungswinkel eines Fußbodens oder einer Rampe im baulichen Kontext erlaubt ist! Dies ist separat geregelt.

So wird die Rutschhemmung geprüft

Rutschhemmungsklassen: Schuh auf BlechUm den R-Wert zu bestimmen, werden die Oberflächen auf einer schiefen Ebene im Labor geprüft. Dabei geht eine Person mit definiertem Schuhwerk über diese Fläche, während die Neigung schrittweise erhöht wird – so lange, bis die Person rutscht und nicht mehr sicher gehen kann.

Wichtig ist dabei zu beachten, dass diese Prüfung immer für ein bestimmtes Produkt durchgeführt wird. Es kann also zum Beispiel nicht die R-Klasse eines geprüften Riffelblechs auf ein anderes, ungeprüftes Produkt mit ähnlichen Eigenschaften übertragen werden.

Auch im praktischen Einsatz kann sich die Eignung verändern. Zum Beispiel können Flüssigkeiten wie Wasser, Öl und Fette, aber auch Eis, Staub oder andere Rückstände die Rutschgefahr erhöhen. Der Verschleiß, die Reinigung und weitere Veränderungen haben ebenfalls einen Einfluss auf die Rutschsicherheit. Deshalb muss für die Auswahl nicht nur die R-Klasse, sondern auch die tatsächliche Nutzung der Bodenbeläge miteinbezogen werden.

Praxisbeispiel aus unserem Sortiment: Für unser Edelstahl-Riffelblech mit Trimandor-Oberfläche liegt ein Prüfzeugnis der TÜV Rheinland LGA Bautechnik GmbH vor. Bei der Prüfung im Jahr 2018 erreichte die Oberfläche sowohl längs als auch quer die Bewertungsgruppe R13.

Typische Einsatzbereiche nach Rutschfestigkeitsklassen

Welche Klasse sich eignet, hängt stark von dem Einsatzbereich und der zu erwartenden Rutschgefahr ab. Zum Beispiel eignet sich R9 für eher geringe Anforderungen wie zum Beispiel trockene Arbeitsräume im Innenbereich. Je höher die Feuchtigkeit, Verschmutzung und auch der Witterungseinfluss sind, desto höher sollte auch die Klasse sein.

Laut ASR A1.5 "Fußböden" gibt es bestimmte Mindestanforderungen für Arbeitsbereiche. Für Eingangsbereiche im Innenraum ist dies zum Beispiel R9, für Eingangsbereiche im Außenbereich jedoch R11 oder R10 mit V4. Dasselbe gilt für Treppen jeweils im Innen- und Außenbereich.

Gut zu wissen: Die ASR A1.5 ist ein Regelwerk für Arbeitsstätten und gilt nicht pauschal auch für den privaten Bereich. Sie kann jedoch als Orientierung genutzt werden.

Häufige Missverständnisse rund um Rutschhemmklassen

Rutschhemmungsklassen: Bleche übereinandergestapeltGerade wenn Sie sich zum ersten Mal mit dem Thema Trittsicherheit und Sicherheit von Böden befassen, werden Sie über einige Angaben und Begrifflichkeiten stolpern, die für Missverständnisse sorgen können. Hier räumen wir mit zwei davon auf:

  • R-Gruppe entspricht nicht dem V-Verdrängungsraum: R-Wert und V-Wert werden häufig vermischt. Dabei beschreibt der R-Wert, wie oben erklärt, die Rutschhemmung anhand des Prüfwinkels. Der V-Wert wiederum beschreibt den Verdrängungsraum einer strukturierten Oberfläche. Das ist das Volumen von Vertiefungen und Hohlräumen unter der Trittfläche.
  • R-Wert ist nicht dasselbe wie A/B/C: Die Klassen A, B und C gehören zu einem anderen Bewertungssystem – dem für nassbelastete Barfußbereiche. Das sind zum Beispiel Schwimmbäder oder Duschen. Der R-Wert hingegen bezieht sich auf Bereiche, in denen der Boden mit Schuhen betreten wird.

Ist die Rutschhemmungsklasse R13 immer die beste Wahl?

Um bei Bodenbelägen für maximale Sicherheit zu sorgen, liegt der Gedanke nahe, einfach nur auf R13 zu setzen. Schließlich ist dies die höchste Klasse. Es spielen aber noch weitere Faktoren in die Überlegung ein. Zum Beispiel spielt die Oberflächenbeschaffenheit auch eine Rolle, wenn die Fläche von Transportfahrzeugen oder Reinigungsmaschinen genutzt beziehungsweise bearbeitet wird. Deshalb sollten auch der Rollwiderstand, die Reinigungsfähigkeit und die Anforderungen an weitere industrielle Abläufe berücksichtigt werden.
 

Darauf sollten Sie bei der Wahl der Rutschfestigkeitsklasse achten

Ein gut ausgewählter Bodenbelag in Arbeitsbereichen kann das Risiko für Arbeitsunfälle senken und die alltägliche Arbeit angenehmer machen. Dazu kommen gesetzliche Vorschriften für die Gestaltung. Damit Sie sich richtig für eine R-Klasse oder eine alternative Klasse entscheiden, sollten Sie sich vor allem diese Fragen stellen:

  • Wo wird der Belag eingesetzt? Bei gewerblichen Anwendungen sollten die Gefährdungsbeurteilung beziehungsweise die ASR A1.5 berücksichtigt werden. Für private Bereiche wie Terrassen oder das Bad stehen dagegen die Nutzung, Witterung, Reinigung und persönliche Anforderungen im Vordergrund.
  • Welche Verschmutzungen sind zu erwarten?
  • Ist ein Begehen der Flächen barfuß oder mit Schuhen geplant?

Optisch haben Sie zum Beispiel die Wahl aus Alu Quintettblech oder Duettblech – beides finden Sie auch als individuelle Zuschnitte in unserem Shop. Entscheiden Sie jedoch nicht ausschließlich nach der Optik, sondern zunächst nach der Rutschfestigkeit.

Tipp: Auch die Belastbarkeit gilt es natürlich bei der Planung zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck empfehlen wir Ihnen unsere Alu Riffelblech Belastungstabelle.
Rutschhemmungsklassen: Boden mit Rutschhemmung

Sind Sie auf der Suche nach Blechen mit Rutschhemmung?

Unser Beitrag über die Rutschhemmungsklassen hat Ihnen hoffentlich einen guten Einblick in dieses Thema verschafft. Wir kennen als Anbieter von Blechzuschnitten nach Maß die Anforderungen an verschiedene Blechtypen und bieten deshalb in unserem Sortiment auch auf ihre Rutschfestigkeit geprüfte Bleche an – sowie fertige Aluminium Rampen.

Sehen Sie sich gern in unserem Sortiment um: Mehr zu den genauen Eigenschaften und den Rutschhemmklassen erfahren Sie in den jeweiligen Beschreibungen. Gern dürfen Sie uns bei einer bestimmten Anforderung auch kontaktieren – wir beraten Sie dann zum geeigneten Produkt.

Tipp: Ergänzend bieten wir Ihnen Lochblech nach Maß sowie Alu-Riffelblech Winkel nach Maß an.

Häufig gestellte Fragen zu den Rutschhemmungsklassen

Noch mehr Fragen beantworten wir Ihnen in unserem FAQ:

Entsprechen die Winkel den zulässigen Neigungen eines Bodens?

Die Winkel sind Prüfwinkel aus dem Labor. Sie dürfen nicht mit einer zulässigen Rampenneigung oder einer maximalen Bodenneigung gleichgesetzt werden. Für Rampen gelten eigene bauliche und arbeitsschutzrechtliche Anforderungen.

Was sollte man bei Übergängen zwischen verschiedenen R-Gruppen beachten?

Innerhalb eines Arbeitsbereichs sollte die Rutschhemmung möglichst gleichmäßig sein. Nach ASR A1.5 können Unterschiede von mehr als einer R-Gruppe zwischen direkt angrenzenden Flächen zu Stolper- oder Rutschgefahren führen. Falls erforderlich, können Sie geeignete Übergangsbereiche einplanen.

Ist ein R13-Boden auch bei Öl und Fetten rutschfest?

Nur weil eine R13-Klasse vorliegt, bedeutet das nicht, dass eine Oberfläche unter allen Bedingungen rutschfest ist. Öl oder Fett können die Trittsicherheit natürlich beeinflussen, weshalb Sie auch betriebliche Maßnahmen in Ihre Planung einbeziehen sollten.