Edelstahl lackieren – so gelingt die langlebige Beschichtung
Edelstahl ist aufgrund seiner Korrosionsbeständigkeit, seiner Stabilität und seiner Langlebigkeit beliebt. Einige seiner Eigenschaften machen das Material jedoch zu einer Herausforderung, wenn es um das Auftragen von Lack geht. So passiert es bei falschem Vorgehen immer wieder, dass der Lack abblättert oder sich an Kanten löst.
Haben auch Sie diese Erfahrung gemacht oder möchten Sie es von Anfang an richtig angehen, dann ist dieser Ratgeber perfekt für Sie. Als Anbieter exakt zugeschnittener Edelstahlbleche nach Maß arbeiten wir tagtäglich mit unterschiedlichen Werkstoffen und Oberflächen, darunter glatte 2B-Oberflächen und geschliffene Bleche in Korn 240. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, worauf Sie bei der Vorbereitung des Edelstahls und bei der Auswahl des Beschichtungssystems achten sollten.
Tipp: In unserem Blog erfahren Sie auch alles dazu, wie Sie Aluminium lackieren.
Edelstahl lackieren: Die Oberfläche und Stahlsorte sind entscheidend
Mit einem geeigneten Beschichtungssystem und einer guten Vorbereitung kann Edelstahl gut lackiert werden. Welche Lackierung beziehungsweise Vorgehensweise sich eignet, hängt aber von dem Stahl und seiner Oberfläche ab.
So wird etwa zwischen V2A und V4A unterschieden. V2A Stähle eignen sich für viele gewöhnliche Anwendungen im Innen- und Außenbereich, während V4A Stähle eine höhere Beständigkeit gegenüber Chloriden und aggressiven Umgebungen besitzen. Beide Gruppen können lackiert werden – welche Sorte Sie wählen, sollten Sie vor allem vom Einsatzzweck abhängig machen.
Genauso wichtig ist die Oberfläche des Edelstahls. Je glatter diese ist, desto sorgfältiger sollten Sie beim Anrauen vorgehen. Die folgenden Oberflächenbeschaffenheiten sind verbreitet:
- 2B: matte, glatte Industrieoberfläche
- 2R: sehr glatt und stark reflektierend
- geschliffen: besitzt bereits eine definierte Rauheit
- poliert: besonders glatt und deshalb schwierig zu beschichten
Anleitung: So gehen Sie beim Lackieren von Edelstahl vor
Eine Lackierung von Edelstahl kann je nach gewähltem Produkt zusätzlichen Korrosionsschutz bieten, vor Kratzern und einigen weiteren Schäden schützen – und natürlich auch Werkstücke in verschiedenen Farben optisch aufwerten. Damit der Lack lange hält, ist das richtige Vorgehen entscheidend. Im Folgenden zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie es funktioniert.
Schritt 1: Edelstahl reinigen
Zuallererst kommt die Reinigung des Metalls an die Reihe. Entfernen Sie mit einem für Edelstahl zugelassenen und chloridfreien Reinigungsmittel alle Fette und Öle, Silikone, Fingerabdrücke, Wachse, Klebereste von Schutzfolien und anderen Schmutz von der Oberfläche. Anschließend sollten Sie diese vollständig trocknen und nicht mehr mit den Fingern berühren. Gegebenenfalls ist ein Nachwaschen oder Neutralisieren notwendig – das entnehmen Sie der Herstellerangabe.
Befindet sich eine lose Lackschicht auf dem Edelstahl, müssen Sie diese natürlich auch zunächst entfernen. Dasselbe gilt für Anlauffarben und Oxidschichten, die nach dem Schweißen von Edelstahl entstehen können.
Schritt 2: Aufrauen der Oberfläche
Edelstahl schützt sich durch eine sehr dünne, chromreiche Passivschicht selbst vor Korrosion. Zusammen mit der häufig sehr glatten Oberfläche erschwert diese jedoch die sichere Haftung.
Damit der Primer dennoch hält, ist eine ausreichend raue Oberfläche wichtig. Verwenden Sie für das Schleifen Ihrer Teile ausschließlich eisenfreie Schleifmittel. Diese sollten auch zuvor nicht für das Schleifen von Stahl und Eisen verwendet worden sein.
Das Anrauen ist von Hand möglich, etwa mit Schleifpapier und Edelstahlbürsten. Für größere Flächen können Sie Geräte wie Winkelschleifer und Bandschleifer verwenden. Nach dem Anschleifen muss der Schleifstaub vollständig entfernt werden.
Schritt 3: Grundierung verwenden
Nun geht es an die Grundierung. Hier müssen Sie explizit darauf achten, ein Produkt zu wählen, das sich für die Anwendung auf Edelstahl eignet. Möglich ist der Einsatz von 1K-Haftgrundierungen, 2K-Epoxidprimern (oft im professionellen Bereich verwendet) oder speziellen Haftvermittlern. Welche Option sich für Sie eignet, hängt vom Einsatzort, der Belastung und dem verwendeten Decklack ab.
Prüfen Sie vor der Anwendung genau die Herstellerangaben und halten Sie sich an die Vorgaben zum Mischverhältnis, der Schichtdicke, der Topfzeit, Trocknungszeit und mehr. Schon kleine Abweichungen können die Haftung beeinflussen.
Schritt 4: Decklack auftragen
Ist die Grundierung fertig, können Sie mit dem Streichen beginnen. Beachten Sie dabei das angegebene Überarbeitungsintervall, da die Grundierung danach unter Umständen erneut angeschliffen werden muss.
Auch bei diesem Schritt sollten Sie darauf achten, ein Produkt passend zur Grundierung zu wählen, da diese aufeinander abgestimmt sein müssen. Sie haben die Wahl aus zwei Varianten, die mit unterschiedlichen Vorteilen und Eigenschaften überzeugen:
1K-Lacke
- Kein Anmischen mit einem Härter erforderlich
- Meist unkompliziertere Verarbeitung
- Keine begrenzte Topfzeit nach dem Öffnen beziehungsweise Anmischen
- Beständigkeit und Einsatzbereich sind produktabhängig
2K-Lacke
- Bestehen aus Stammlack und Härter
- Mischungsverhältnis und Topfzeit müssen genau eingehalten werden
- Können je nach Bindemittel und System eine hohe mechanische oder chemische Beständigkeit erreichen
- Erfordern meist mehr Erfahrung bei der Verarbeitung
Tipp: Beim Auftragen des Lacks sollten Sie auf Kanten und Bohrungen achten, da sich die Schicht hier besonders gern ablöst. Achten Sie auf eine vollständige Benetzung und eine ausreichende Schichtdicke.
Achten Sie beim Lackieren von Edelstahl auf Ihre Sicherheit
Sicherheit geht vor – beachten Sie deshalb bei allen verwendeten Produkten immer die aktuellen Sicherheitsdatenblätter. Ebenfalls ist es wichtig, für eine ausreichende Be- und Entlüftung zu sorgen und die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung zu verwenden.
Beim Schleifen und Entfernen alter Beschichtungen können gesundheitsgefährdende Stäube entstehen. Bitte beachten Sie zudem, dass Spritzlackierungen und reaktive 2K-Systeme nur mit geeigneter Ausrüstung und entsprechender Fachkenntnis verarbeitet werden sollten.
Sie brauchen noch passende Werkstücke aus Edelstahl?
Mit unserer Anleitung haben Sie eine gute Grundlage für die eigenständige Lackierung Ihrer Edelstahlteile. Sollten Sie noch passend zugeschnittene Bleche für Ihr Projekt benötigen, sind wir Ihr Ansprechpartner. Zum Beispiel finden Sie bei uns mattes Edelstahlblech in Ihrer Wunschgröße. Alternativ bieten wir Ihnen bereits fertig pulverbeschichtetes Alublech nach Maß an. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserem Sortiment – schauen Sie sich gern bei Bedarf noch weiter um. Für eine persönliche Beratung können Sie uns einfach anrufen oder uns eine Nachricht senden!
Häufig gestellte Fragen zum Lackieren von Edelstahl
Es sind noch Fragen offen? Dann lesen Sie gerne hier in unserem FAQ weiter:
Schützt eine Lackierung vor allen Umwelteinflüssen?
Auch eine professionelle und fachgerecht ausgeführte Lackierung hat ihre Grenzen. Durch die Wahl eines passenden Lacks kann diese jedoch an bestimmte Bedingungen angepasst werden. Besonders herausfordernd sind zum Beispiel Chloridbelastung, aggressive Chemikalien, hohe Temperaturen, starke mechanische Beanspruchung oder dauerhafte UV-Belastung. Achten Sie darauf, Produkte zu wählen, die sich speziell für Ihren Fall eignen.
Warum blättert der Lack vom Edelstahl ab?
Häufige Ursachen sind Fett-, Silikon- oder Klebstoffreste, eine zu glatte Oberfläche, ungeeignete oder verunreinigte Schleifmittel, eine nicht für Edelstahl freigegebene Grundierung oder nicht aufeinander abgestimmte Lackschichten. Auch Kondenswasser, eine zu hohe Luftfeuchtigkeit, die Überschreitung des Überarbeitungsintervalls oder eine zu geringe Schichtdicke an scharfen Kanten können zu Haftungsverlusten führen.
Kann V2A Edelstahl durch eine Lackierung für Salzwasser geeignet werden?
Davon raten wir ab. Denn Fehlstellen oder Beschädigungen an der Beschichtung können dazu führen, dass der Edelstahl wieder der Umgebung ausgesetzt wird. Sowohl die Legierung des Werkstoffs als auch die Beschichtung sollten deshalb zu den Bedingungen passen.