Edelstahl schweißen – Verfahren, Vorbereitung und praktische Tipps

Ergebnis von Edelstahl schweißenBeim Schweißen von Edelstahl gibt es einiges zu beachten – hier gelten andere Regeln als bei unlegiertem Stahl. Planen Sie ein Schweißprojekt und sind sich noch unsicher, wie Sie dabei richtig vorgehen, dann sind Sie hier genau richtig.

Als Anbieter von Edelstahlblech nach Maß mit jahrelanger Erfahrung rund um die Arbeit mit diesem Material haben wir hier für Sie einen umfangreichen Ratgeber erstellt. Profitieren Sie von unserer Materialkenntnis und erfahren Sie alles über geeignete Schweißverfahren, das genaue Vorgehen, den Arbeitsschutz und mehr.

Wichtig: Unser Ratgeber konzentriert sich auf häufig verwendete nichtrostende Stähle. Beachten Sie, dass für ferritische, martensitische, Duplex- oder ausscheidungshärtende Stähle abweichende Anforderungen gelten.

Kann man Edelstahl schweißen?

Die meisten austenitischen Edelstähle sind gut zum Schweißen geeignet. Jedoch gibt es je nach Legierung und Werkstoffgruppe Unterschiede, die Sie nicht unterschätzen sollten. Je nach Werkstoff unterscheiden sich geeignete Zusatzwerkstoffe, Schutzgase und Schweißparameter.

Für die Auswahl der Schweißmethode ist die Handelsbezeichnung V2A oder V4A nicht ausreichend. Vor dem Beginn ist es deshalb wichtig, die Werkstoffnummer in Erfahrung zu bringen.

Das sind häufig eingesetzte austenitische Stahlsorten:

  • 1.4301: Universeller Chrom-Nickel-Edelstahl für viele Innen- und Außenanwendungen.
  • 1.4307: Ähnlich wie 1.4301, jedoch mit geringerem Kohlenstoffgehalt. Dieser kann das Risiko einer Sensibilisierung und interkristalliner Korrosion verringern.
  • 1.4404: Enthält zusätzlich Molybdän und bietet eine deutlich höhere Korrosionsbeständigkeit.

Tipp: Möchten Sie sich noch tiefer mit dem Thema befassen, empfehlen wir einen Blick in die folgenden Normen und Regelwerke:

  • DIN EN ISO 15614 (Prüfung und Qualifizierung von Schweißverfahren)
  • DIN EN ISO 5817 (Bewertungsgruppen für Schweißnahtqualität)
  • TRGS 528 (Schutzmaßnahmen bei schweißtechnischen Arbeiten)
Mann tut Edelstahl schweißen in Werkstatt

Die verschiedenen Schweißverfahren für Edelstahl

Welche Methode Sie zum Schweißen verwenden sollten, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa der Materialdicke und den Anforderungen an die Naht, die Qualität der Oberfläche und die Wirtschaftlichkeit. Hier haben wir zur Orientierung eine Übersicht für Sie erstellt: 

Verfahren

Vorteile

Typische Anwendungen

WIG Schweißen

höchste Nahtqualität, geringe Spritzer, sehr gute Kontrolle des Wärmeeintrags

Dünnblech, Sichtnähte, hochwertige Konstruktionen

MIG/MAG Schweißen

hohe Abschmelzleistung, wirtschaftlich bei größeren Bauteilen

Serienfertigung und dickere Bleche

Elektroden

mobil, robust, keine Gasflasche erforderlich

Montage, Reparaturen, schwer zugängliche Bereiche

  
Tipp: Interessieren Sie sich auch für das Schweißen von Aluminium oder möchten Sie mehr über das Thema Korrosionsbeständigkeit erfahren? Dann schauen Sie gern in unserem Blog vorbei.

WIG Schweißen von Edelstahl

Beim WIG Schweißen (Wolfram-Inertgas) entstehen besonders saubere Schweißnähte. Deshalb wird dieses Verfahren gern für hochwertige Nähte und auch für dünne Bleche verwendet. Der Verzug kann durch eine verringerte Wärmezufuhr reduziert werden.

MIG und MAG Schweißen von Edelstahl

Beim Metall-Schutzgasschweißen wird zwischen MIG und MAG unterschieden. Beim MIG-Schweißen kommen inerte Gase zum Einsatz. Enthält das Schutzgas aktive Bestandteile wie geringe Mengen Sauerstoff oder Kohlendioxid, wird das Verfahren als MAG-Schweißen bezeichnet. Welches Gasgemisch geeignet ist, hängt unter anderem vom Werkstoff, Schweißdraht, Lichtbogen und den Anforderungen an die Verbindung ab.

Elektrodenschweißen

Das Lichtbogenhandschweißen eignet sich vor allem für Reparaturen oder die Montage im Außenbereich. Hier ist die Nahtqualität meist geringer als beim WIG-Verfahren.

Das richtige Schutzgas und Zusatzwerkstoffe

Der Zusatzwerkstoff und Schutzgase müssen immer auf den Grundwerkstoff abgestimmt werden. 1.4301 und 1.4307 werden zum Beispiel häufig mit geeigneten CrNi-Zusatzstoffen verschweißt und für 1.4404 kommen molybdänhaltige Werkstoffe zum Einsatz. Auch bei den Schutzgasen gibt es unterschiedliche Mischungen je nach Verfahren, Materialstärke und Anforderungen. Am besten richten Sie sich bei der Auswahl nach den Angaben des Herstellers und den Schweißanweisungen.

Die Vorbereitung für das Schweißen von Edelstahl

Damit das Schweißen Ihrer Werkstücke bestmöglich gelingt, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Dazu gehört einerseits die Reinigung der Oberfläche und andererseits die Bereithaltung aller Werkzeuge und Hilfsmittel. Das brauchen Sie beim Schweißen:

  • Schweißgerät passend zum Verfahren
  • Brenner
  • Massekabel und Masseklemme
  • Schweißbrenner mit passenden Verschleißteilen
  • Schweißzusatz passend zum Werkstoff
  • Je nach Verfahren Wolframelektroden (WIG), Edelstahl-Schweißdraht (MIG/MAG) oder Edelstahl-Stabelektroden (Elektrodenschweißen)
  • Schutzgas (geeignet für das Verfahren und den Grundwerkstoff)
  • Gasflasche
  • Druckminderer
  • Gasschlauch
  • Zur Vorbereitung: Edelstahlbürste, Trennscheiben, Entfetter, fusselfreie Tücher, Anreißwerkzeug und Messmittel
  • Zum Spannen: Schweißtisch, Spannvorrichtung, Fixierhilfen
  • Für den Wurzelschutz: Formiergas, Formierschlauch, Stopfen und Abdichtsysteme für Rohre
  • Persönliche Schutzausrüstung: Schweißhelm, Handschuhe, Schutzjacke, Sicherheitsschuhe, Gehörschutz, Atemschutz (wenn erforderlich)
Vorbereitung für Edelstahl schweißen auf Tisch

Vorbereitung der Oberfläche

Haben Sie alle Geräte und Hilfsmittel vorliegen, dann können Sie mit der Vorbereitung der Edelstahloberfläche beginnen. Sorgen Sie mit geeigneten Edelstahlwerkzeugen und Reinigern dafür, dass die Nahtflächen fettfrei, trocken, blank und frei von Oxiden, Lacken und anderen Rückständen sind.

Wichtig: Verwenden Sie keine Werkzeuge, die vorher an Stahl verwendet wurden oder Stahlbestandteile haben.

Unsere Profi-Tipps für eine gute Schweißverbindung

Damit Ihnen der Schweißprozess gelingt, ist es wichtig, die Eigenschaften von Edelstahl und dessen Herausforderungen zu kennen. Beim Schweißen gilt, wie bei anderen Handwerken auch: Übung macht den Meister. Wir haben hier noch einige Tipps für Sie gesammelt, damit Sie bestmögliche Ergebnisse erzielen:

  • Kontamination durch Eisen vermeiden: Schon kleine Eisenpartikel können die Lebensdauer des Edelstahls beeinflussen. Achten Sie deshalb darauf, den Kontakt mit Stahl zu vermeiden, und trennen Sie Arbeitsflächen und Werkzeug entsprechend.
  • Dünne Edelstahlbleche richtig schweißen: Dünne Bleche sind besonders empfindlich gegenüber hohen Temperaturen. Achten Sie auf einen möglichst geringen Wärmeeintrag, kurze Schweißabschnitte und eine gleichmäßige Schweißfolge.
  • Spaltmaß und Heftung beachten: Ein gleichmäßiges Spaltmaß (Abstand zwischen den Schweißteilen) erleichtert eine gleichmäßige Durchschweißung und saubere Heftnähte verhindern ein Verziehen während des Schweißens.
  • Wurzelschutz und Formierung: Bei vollständiger Durchschweißung sollte auch die Nahtwurzel, also die Unterseite, vor Sauerstoff geschützt werden. Durch die sogenannte Formierung strömt an der Wurzel Schutzgas, um eine Oxidation zu verhindern.

Typische Fehler beim Schweißen von Edelstahl

Einige häufige Fehler und wie Sie diese vermeiden können, haben wir Ihnen noch einmal übersichtlich in einer Tabelle zusammengefasst. Wir nennen Ihnen hier einige beispielhafte Ursachen und Lösungen, es können natürlich auch weitere Faktoren eine Rolle spielen:

Fehler

Ursache

Mögliche Lösung

Flugrost

Eisenkontamination

Edelstahlwerkzeuge verwenden

Verzug

zu hoher Wärmeeintrag

Schweißfolge optimieren, geringere Energie

Poren

verschmutzte Oberfläche oder Schutzgasprobleme

gründliche Reinigung, Gasversorgung prüfen

Starke Anlauffarben

fehlender Wurzelschutz oder zu hohe Temperatur

Formierung und Schweißparameter optimieren

Korrosionsschäden

ungeeigneter Zusatzwerkstoff oder fehlende Nachbehandlung

Werkstoffgerecht schweißen und Passivschicht wiederherstellen

Den Arbeitsschutz beim Edelstahl-Schweißen nicht vergessen

Nicht nur fachliche Kenntnisse sind die Voraussetzung für erfolgreiches Schweißen von Edelstahl, auch die Sicherheitsaspekte sollten Sie dabei auf keinen Fall vernachlässigen. Denn besonders bei Chrom-Nickel-Stählen entstehen schädliche Schweißrauche, gegen die Sie sich schützen sollten.

Unter anderem gelingt dies durch die Absaugung der Gase an der Entstehungsstelle sowie das Tragen eines geeigneten Atemschutzes. Für eine ausreichende Belüftung sollte ebenfalls gesorgt sein. Tragen Sie geeignete Ausrüstung, um den ganzen Körper zu schützen.
Edelstahl schweißen durch Mann

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Ob in der Industrie, der Lebensmittel-, Gastronomie- und Pharmabranche oder im Haushalt: Edelstahl ist in den verschiedensten Kontexten beliebt. Welches Projekt Sie auch umsetzen möchten – bei uns erhalten Sie individuelle Zuschnitte, die wir gern auf Wunsch auch schon für Sie entgraten und kanten.

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