Die Aluminiumlegierung AlMg3 – Eigenschaften, Werkstoffnummer und Einsatz

Blech mit AlMg3 und ausgeschnittenen Formen auf TischDie AlMg3-Legierung (EN AW-5754) zeichnet sich durch eine mittlere Festigkeit, gute Umformbarkeit und Schweißbarkeit sowie eine gute Korrosionsbeständigkeit, insbesondere gegen Meerwasser, aus. Sie lässt sich überall dort einsetzen, wo keine hohen Ansprüche bezüglich der mechanischen Belastbarkeit gestellt werden. Zu ihren Haupteinsatzgebieten zählen der Behälter- und Apparatebau, der Maschinenbau, die chemische und die Nahrungsmittelindustrie sowie die Herstellung von Verpackungsmaschinen. 

Was genau sich hinter der Kurzbezeichnung AlMg3 verbirgt, weshalb Reinaluminium überhaupt mit Magnesium legiert wird und wer auf diese Idee kam, erfahren Sie hier.

Auch wir setzen bei einigen unserer Produkte auf diese Legierung – etwa bei unserem Alublech nach Maß oder den Alu Riffelblech Zuschnitten, die Sie ganz einfach online konfigurieren und bestellen können. Per Laserzuschnitt, Wasserstrahlzuschnitt oder mit der Tafelschere setzen wir Ihre Wünsche um und kümmern uns bei Bedarf auch um weitere Bearbeitungen.

Aluminium-Magnesium-Legierungen wie AlMg3 – Erfindung und Nutzung

1825 gelang es dem dänischen Physiker Hans Christian Oersted als Erstem, noch unreines Aluminium zu isolieren, indem er Aluminiumchlorid mit Kalium reduzierte. Der deutsche Chemiker Friedrich Wöhler verbesserte Oersteds Methode und extrahierte erstmals Reinaluminium. Aus Wöhlers Verfahren entwickelte der französische Chemiker Henri Étienne Sainte-Claire Deville wiederum eine technische Gewinnungsmethode auf Basis der Reduktion eines Gemisches aus Natrium- und Aluminiumchlorid mithilfe von Natrium – allerdings war diese Methode für die Massenproduktion viel zu aufwendig.

Erst im Jahr 1886 entwickelten der amerikanische Erfinder, Ingenieur und Unternehmer Charles M. Hall und der französische Chemiker Paul Louis Toussaint Héroult unabhängig voneinander eine kostengünstige Möglichkeit, reines Aluminium per Schmelzflusselektrolyse herzustellen. Das als Hall-Héroult-Prozess bezeichnete Verfahren findet, mit verschiedenen Verbesserungen, auch heute noch Verwendung.

Erste Legierungen mit Magnesium

Blech mit AlMg3 auf TischReinaluminium war somit zu Beginn des 20. Jahrhunderts in großen Mengen als Werkstoff verfügbar. Allerdings hatte sich bereits herausgestellt, dass es sich mit schneidenden Werkzeugen nicht sauber bearbeiten ließ und seine wertvollste Eigenschaft, sein geringes spezifisches Gewicht, daher nicht im gewünschten Maße nutzbar war.

Erste Versuche, das Element mit Magnesium zu legieren, wurden bereits kurz nach seiner Entdeckung durchgeführt. Sie scheiterten jedoch zum einen an fehlerhaften Mischungsverhältnissen und zum anderen daran, dass beide Legierungskomponenten nicht in ausreichender Reinheit verfügbar waren, sondern wahrscheinlich je nach Herstellungsmethode auch noch größere Spuren von Kohlenstoff, Natrium oder Stickstoff enthielten.

Eine erste brauchbare Lösung für das Problem fand Ludwig Mach, der älteste Sohn des österreichischen Physikers Ernst Mach. Dieser entwickelte 1894 eine Aluminium-Legierung mit zwei bis dreißig Prozent Magnesium, der er den Namen Magnalium gab. Bei seinen Experimenten fand Mach heraus, dass Legierungen mit 10 % Magnesium dieselben mechanischen Eigenschaften aufweisen wie gewalztes Zink, während Legierungen mit 15 % Magnesium einem guten Messingguss entsprechen. Bei 20 % Magnesium besitzt die Legierung die Spezifika von weichem Rotguss oder hartgezogenem Messingdraht und bei 25 % die des gewöhnlichen Rotgusses.

Was steckt hinter der Kurzbezeichnung AlMg3 (EN AW-5754)?

Al steht für Aluminium, Mg für Magnesium und die 3 für den prozentualen Magnesiumgehalt. Es handelt sich hierbei also um eine Aluminium-Magnesium-Legierung mit einem Magnesium-Anteil von rund 3 % (2,6 bis 3,6 %). Weiterhin sind Spuren von Silicium, Eisen, Kupfer, Mangan, Chrom, Zinn und Titan enthalten. Die Werkstoffnummer dieser Legierung lautet 3.3535, die Bezeichnung nach Europäischer Norm EN AW-5754.

Reine AlMg-Legierungen wie diese zählen zu den mittelfesten, naturharten Legierungen. Sie lassen sich gut walzen, schmieden und bei Mg-Gehalten ab 3 % auch gut schweißen. Der Schweißzusatz richtet sich dabei nach dem jeweiligen Magnesium-Gehalt. Durch Strangpressen werden sie seltener verarbeitet, da bei Strangpressprofilen eine nachträgliche Festigkeitsänderung vermieden werden muss.

Neben dieser existieren auch noch weitere Legierungen mit etwas anderer Zusammensetzung. So etwa die Aluminiumlegierung AlMg1, die Aluminiumlegierung AlMgSi0,5, die Aluminiumlegierung AlMg4,5Mn oder die Aluminiumlegierung AlMn0,5Mg0,5. Einige davon verwenden wir für die Herstellung verschiedener Produkte wie unserer Fensterbänke nach Maß aus AlMgSi0,5 oder unserer Blechtafeln, bei denen Sie aus verschiedenen Legierungen wählen können.

Diese Eigenschaften hat die AlMg3-Legierung

Belch mit AlMg3 in Hand von MannIm schmelzflüssigen Zustand lässt sich Reinaluminium mit zahlreichen Metallen legieren, um nützliche Eigenschaften zu fördern und unerwünschte zu unterdrücken. Hierbei wird zwischen aushärtbaren und naturharten (nicht aushärtbaren) Legierungen unterschieden.

Zu den aushärtbaren Legierungen zählen unter anderem Aluminium-Kupfer-, Aluminium-Magnesium-Silicium- und Aluminium-Zink-Legierungen. Naturhart bzw. nicht aushärtbar sind neben den Aluminium-Magnesium- auch Aluminium-Mangan- und Aluminium-Silicium-Legierungen.

Eine weitere Unterscheidung erfolgt abhängig von der Verarbeitungsart in Knetlegierungen und Gusslegierungen. Aluminium-Magnesium-Legierungen gehören zu den Knetlegierungen. Im dünnflüssigen Zustand lassen sie sich aber auch gießen, wie Rein- und Reinstaluminium.

Mit 0,2 bis 6,2 % Magnesium erreichen Aluminium-Magnesium-Legierungen der Legierungsgruppe 5xxx die höchsten Festigkeiten im Bereich der nicht aushärtbaren Aluminiumlegierungen. Für Dicken ab circa 6 mm weisen Bleche aus der AlMg3-Legierung folgende Eigenschaften auf:

  • Zugfestigkeit: 190 bis 250 N/qmm
  • Streckgrenze: 80 bis 140 N/qmm
  • Härte: 50 bis 80 Brinell
  • Wärmeleitfähigkeit: ca. 1,1 W/cm °C
  • Bruchdehnung A5: 12 bis 30 %
  • sehr gute Korrosionsbeständigkeit (Meerwasserbeständig)
  • eloxierbar
  • gut schweißbar
  • Weichglühen ca. 330 - 360 °C
  • Schmelzpunkt ca. 610 - 640 °C

Da sie anfällig für Spannungsrisskorrosion sind, eignen sich Aluminium-Magnesium-Legierungen mit mehr als 3 % Magnesium nicht für den längerfristigen Einsatz bei Temperaturen zwischen 65 und 180 °C.

Eine Übersicht über die Eigenschaften finden Sie auch in unserem Technischen Datenblatt EN AW-5754 (AlMg3).

Wofür lässt sich die AlMg3-Legierung einsetzen?

Während sich Rein- und Reinstaluminium für spanlose Fertigungsverfahren bestens eignen, sind sie wegen ihrer vergleichsweise geringen Festigkeitswerte für spanende Verfahren und starke mechanische Beanspruchungen weniger zu gebrauchen. Dieses Defizit lässt sich durch das Zulegieren von Magnesium gut kompensieren.

Die hohe Festigkeitssteigerung beruht auf der hohen Bindungsenergie von Leerstellen an die Magnesiumatome. Je mehr Leerstellen auf diese Weise besetzt werden, desto geringer ist die plastische Verformbarkeit des Materials.

Technisch relevante Aluminium-Magnesium-Legierungen weisen zwischen 3 und 10 % Magnesium auf. Um die günstigen Festigkeitseigenschaften gießtechnisch anspruchsvoller Legierungen mit einem Mg-Gehalt von mehr als 7 % in vollem Umfang zu nutzen, ist für diese Legierungen zusätzlich eine Homogenisierungsglühung erforderlich.

Hier ist die Anwendung von AlMg3 beliebt

Abhängig vom Magnesium-Gehalt eignen sich AlMg-Legierungen für unterschiedlichste Anwendungen. Reine AlMg-Legierungen mit 3 % Magnesium kommen unter anderem in folgenden Bereichen zur Anwendung:

  • Maschinen- und Apparatebau
  • Flugzeugbau
  • Formenbau
  • Fahrzeugbau (Karosserieteile)
  • Druckbehälterbau
  • Behälter für die Getränke- und Lebensmittelindustrie
  • Alubleche und Rohre für die allgemeine Anwendung
  • Blechformteile
  • Schrauben
  • Da poliertes Aluminium-Magnesium-Halbzeug in Innenräumen schön blank bleibt, werden AlMg-Legierungen häufig für Beschläge oder Haushaltsgeräte verwendet.
Blech mit AlMg3 wird auf Dach befestigt

Das ist beim Schweißen von Legierungen wie AlMg3 zu beachten

Zwar verfügen Aluminium-Magnesium-Legierungen über gute Schweißeigenschaften, dennoch sind für gefügemäßig und korrosionsmäßig einwandfreie Schweißnähte zum Teil spezielle Maßnahmen erforderlich. Das zu verschweißende Material darf beispielsweise nicht zu viel Wasserstoff enthalten, da sich sonst während des Schweißens infolge der Gasentbindung sogenannte Doppelraupen bilden. Diese bewirken eine Verschlechterung der Festigungseigenschaften und des Korrosionsverhaltens.

Mit steigendem Magnesiumanteil werden die Legierungen zunehmend schweißrissempfindlich, vor allem bei Querschnittsschwankungen der zusammenzufügenden Stellen. Diese Schweißrissneigung lässt sich teilweise durch den Zusatz von Silicium und Mangan verringern. So hat sich beispielsweise bei der Legierung AlMg3Si die Zugabe von etwa 0,5 bis 0,8 % Silicium und etwa 0,5 % Mangan bewährt.

Das Verschweißen kaltverformter höherprozentiger Aluminium-Magnesium-Legierungen birgt die Gefahr spannungskorrosionsempfindlicher Zonen im Bereich der Schweißnähte. Hingegen ist das Verschweißen weicher Aluminium-Magnesium-Halbzeuge diesbezüglich unbedenklich. Bei weichen Aluminium-Magnesium-Blechen mit bis zu 5 % Magnesium erreichen die Schweißnähte circa 95 bis 98 % der Festigkeitswerte des Ausgangsmaterials.

Produkte & Zuschnitte aus AlMg3 & mehr beauftragen

Damit auch Sie von den Vorteilen der Aluminium-Legierungen profitieren können, bieten wir Ihnen sowohl Produkte und Blechzuschnitte aus AlMg3 sowie aus weiteren Legierungen an. Unser Angebot umfasst zum Beispiel Alurohr Zuschnitte, Alu Vierkantrohr oder auch Alu U Profile nach Maß und Alu Winkelprofile nach Maß. Gerne schneiden wir auch pulverbeschichtetes Alublech nach Maß für Sie zu. Zudem können Sie Blechtafeln in Standardgrößen aus Alu und Edelstahl bestellen. Um welche Legierungen es sich bei den Blechen und Profilen jeweils handelt, erfahren Sie in der Produktbeschreibung – gerne beraten wir Sie bei Bedarf auch dazu.